Für viele Menschen klingt der Begriff der Selbständigkeit nach etwas Großem: Man hat keinen Chef, dem man sich unterordnen muss, die Mitarbeiter kann man sich selbst aussuchen – und da niemand einem das Gehalt vorschreibt, gibt es nach oben praktisch keine Grenzen. Das ist theoretisch auch richtig so, allerdings kann die Selbständigkeit auch durchaus ihre Tücken haben. Wer mit dem Gedanken spielt, sich selbständig zu machen, der sollte daher gut abwägen, ob diese Art zu arbeiten für ihn das Richtige ist.
Steuern, Flexibilität und Co. – diese Vorteile bringt die Selbständigkeit
Für die meisten Menschen, die sich selbständig machen, ist vor allem die Flexibilität ein wichtiges Argument. Steht ein Arzttermin an oder ist das Wetter einfach zu schön, um zu arbeiten? Dann spricht nichts dagegen, sich selbst ein paar Stunden frei zu geben. Weder muss man dafür jemanden um Erlaubnis bitten, noch hat das irgendwelche arbeitsrechtlichen Konsequenzen. Gerade wer viele private Termine oder sogar Kinder hat, weiß die Flexibilität, die die Selbständigkeit mit sich bringt, außerordentlich zu schätzen.
Auch in Sachen Steuern gibt es viele Vorteile für Selbständige. Nicht nur, dass sich so gut wie alles, was man kauft, von der Steuer absetzen lässt – vor allem das Arbeitszimmer und seine Einrichtung, aber auch Telefon, Fachliteratur und vieles mehr. Wer Umsatzsteuer erhebt, der kann diese von seinen Unternehmenseinkäufen auch noch abziehen. Wer zum Beispiel für einen Drucker 100 Euro ausgibt, der zahlt effektiv nur 81 Euro dafür. Gerade wenn man für seine Selbständigkeit viele Anschaffungen zu machen hat, gibt es hier erhebliche Sparmöglichkeiten.
Das ist noch längst nicht alles: Man entscheidet selbst, ob man zu Hause arbeitet oder sich ein Büro mietet und mit wem man zusammen arbeitet. Auch die Gestaltung von Arbeitszeiten und Preisen liegt ganz im Ermessen des Selbständigen. Soll ich einen Service besonders günstig anbieten? Und zu welchen Uhrzeiten soll ich im Büro sein? All das kann man vollkommen unabhängig von anderen Leuten entscheiden.
Die Schattenseiten der Selbständigkeit
Fast alle Vorteile der Selbständigkeit bringen allerdings auch Nachteile mit sich. Zeitliche und örtliche Flexibilität beispielsweise mögen toll sein. Doch wer sich jeden Nachmittag frei gibt oder zu Hause zu sehr von Kindern, Haustieren und Haushalt abgelenkt wird, wird kaum genug Geld verdienen, um damit den Lebensunterhalt finanzieren zu können. Gerade die Freiheiten, die man als Selbständiger genießt, bergen also auch Gefahren und verlangen Disziplin, Disziplin, Disziplin.
Auch das Finanzamt ist Selbständigen gegenüber ein wenig engstirniger als bei Privatpersonen. Lohnsteuer und andere Steuern werden nicht mehr über den Arbeitgeber überwiesen, sondern man muss sich selbst darum kümmern. Kommt das Geld nicht rechtzeitig beim Finanzamt an, kann das schnell zu Konsequenzen führen. Wer Umsatzsteuer erhebt, muss in der Regel monatlich eine gesonderte Erklärung abgeben – der buchhalterische Aufwand sollte nicht unterschätzt werden. Hinzu kommt, dass es keinen Arbeitgeber mehr gibt, der die Hälfte der Sozialversicherungen übernimmt. Man zahlt in die Krankenkasse, Rentenversicherung und die anderen Versicherungen den vollen Betrag ein, was eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen kann. Zwar ist man als Selbständiger freiwillig versichert – dennoch sollte man auf keinen Fall auf Rentenversicherung und Co. verzichten.
Wer selbständig arbeitet, hat wesentlich höhere Fixkosten als ein Arbeitnehmer. Während im Angestelltenverhältnis alle Kosten direkt an die Behörden überwiesen werden, muss man sich als Selbständiger selbst darum kümmern. Das bedeutet, dass Versicherungsprämien und Steuern immer zurück gehalten werden müssen. Auch wenn es verlockend ist: Wer seine Steuerrücklage spontan ausgibt und dann nicht mehr genug Geld verdient, um diese Summe rechtzeitig vor der Steuerzahlung zu ersetzen, schafft sich schnell Probleme.
Selbständigkeit als Notlösung?
Viele Menschen machen sich selbständig, weil sie keine Arbeit haben und nicht von den Behörden leben wollen. Es gibt Gründerzuschüsse, man kann die Selbständigkeit aber auch nebenher laufen lassen, bis sie groß genug ist, um davon zu leben. Wichtig ist, dass man in seinem Bereich gut genug ist, um auch ein Produkt oder eine Dienstleistung verkaufen zu können. Gerade wer immer nur als Angestellter gearbeitet hat, wird sich vielleicht erst daran gewöhnen müssen, dass man sich fortan selbst darum kümmern muss, dass es Arbeit gibt. Es kommt nämlich niemand unaufgefordert mit Aufträgen auf einen zu.
Man muss der richtige Typ sein
Letzten Endes muss jeder für sich selbst abwägen, ob er sich selbständig machen sollte. Man benötigt Disziplin, sollte mit Geld umgehen können und bereit sein, viel Zeit in die Selbständigkeit zu investieren. Buchhalterische Kenntnisse sind von Vorteil, da die Buchführung und die Steuererklärungen dann leichter fallen. Da genügend Zeit zum Arbeiten bleiben muss, fallen solche Nebenaufgaben oft auf das Wochenende. Gerade in der Anfangszeit sollte man berücksichtigen, dass Überstunden und Wochenendarbeit vorkommen können.
Man sollte bereit sein, auf Menschen zuzugehen und die eigenen Leistungen anzubieten. Nur, wer andere auf sich aufmerksam macht, kann auch Kunden bekommen. Außerdem sollte man mit Kundenbeschwerden und säumigen Zahlern gut umgehen können und entsprechend resistent gegen Stress sein.
Ela ist freiberufliche Online-Redakteurin und schreibt seit geraumer Zeit im Webmaster-Glossar mit. Ihre Schwerpunkte liegen dabei vor allem auf Bereichen der Selbständigkeit, dem Umgang mit CMS Systemen und Suchmaschinenoptimierung.Artikel:
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Hallo,
Ein sehr guter Artikel. Für mich ist das A und O immer noch die Zeitplanung, damit der Rest des Lebens nicht zu kurz kommt. Den aufgezeigten Argumenten stimme ich voll und ganz zu.
Grüße
Marcel