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Wikipedia und Co. im Kampf gegen die Zensur

Sollte gestern einer von Euch versucht haben, die englischsprachige Wikipedia aufzurufen, dürfte er vor einer bösen Überraschung gestanden haben. Denn außer einer großen, schwarzen Fläche war hier nichts zu sehen. Auch die deutsche Seite zog mit: Hier war das Angebot zwar nicht komplett gesperrt, aber einen großen, schwarzen Balken gab es auch dort. Andere Internetriesen wie Google und Youtube beteiligten sich an diesem Internetboykott. Aber was steckt eigentlich dahinter?

Us-amerikanische Gesetze machen das Internet unruhig

Schuld sind zwei Gesetze, die derzeit im Kongress der USA verabschiedet werden sollen. Es handelt sich dabei um zwei Gesetze, die das Urheberrecht von Künstlern stärken sollen. An und für sich ist das ja keine schlechte Idee (auch wenn dahinter oft nicht die Künstler selbst stecken, sondern ihre Plattenfirmen). So wie man als deutscher Webmaster keinen Textklau mag, muss man als internationaler Künstler auch keinen Musik- und Filmeklau mögen. Um das zukünftig zu unterbinden, möchte man in den Vereinigten Staaten jetzt folgendes beschließen:

1. PIPA

Der “Protect IP Act" (kurz: Pipa) ist eine der beiden Gesetzesvorlagen. Sie sieht vor, dass zukünftig nicht mehr nur noch Webseiten aus dem Netz genommen werden müssen, auf denen Raubkopien gehandelt wurden, sondern auch, dass die IP-Adresse dieser Seiten gesperrt wird. Dahinter steckt der Gedanke, dass die Betreiber nicht auf die Idee kommen sollen, auf ihrem Server einfach eine neue Seite aufzubauen.

Das Problem dabei: Theoretisch kann es so auch sehr leicht passieren, dass vollkommen unbeteiligte Webseiten, die zufällig auf demselben Server liegen, ebenfalls gesperrt werden. Außerdem wäre die IP-Adresse auf ewig verbrannt und könnte für zukünftige Seiten nicht mehr genutzt werden. Das könnte ein erhebliches Problem werden, denn es besteht schon jetzt eine Knappheit an IP-Adressen.

2. SOPA

Das zweite Gesetz wird “Stop Online Piracy Act" (kurz: SOPA) genannt. Und hier liegt der Hund wirklich begraben. Das Gesetz sieht nämlich vor, dass man sich als Webseitenbetreiber strafbar macht, wenn man auf eine illegale Seite verlinkt. Das mag im kleinen Rahmen noch realistisch sein, doch gerade bei großen Portalen wie Wikipedia ist es schier unmöglich, jeden ausgehenden Link zu prüfen.

Warum protestiert Wikipedia?

Einer der Gründe ist rein organisatorisch. Eine Plattform wie Wikipedia oder Google müsste tausende neuer Stellen schaffen, um alle ausgehenden Links zu überprüfen. Gerade bei einem Projekt, das sich nur durch Spenden finanziert, würde das den Ruin bedeuten. Gleichzeitig sieht insbesondere Wikipedia die Gefahr, dass durch dieses Gesetz innovative Seiten gar nicht mehr entstehen und dadurch der rege Wissensaustausch, den das Internet fördert, zum Erliegen kommt. Insbesondere Google weigert sich, das Angebot seines Suchdienstes zu beschneiden, indem es ungesetzliche Seiten aus seinen Ergebnislisten löscht.

Doch die großen Internetportale gehen noch weiter und sehen in den Gesetzen eine willkürliche Zensur. Sie sehen die Meinungsfreiheit, die im Internet herrscht, durch diese Regelungen bedroht – ähnlich wie die Diskussionen um Zensursula in Deutschland. Um der Bevölkerung zu zeigen, wohin eine Zensur führen könnte, hat Wikipedia deshalb für 24 Stunden alle Dienste eingestellt. Denn würden diese Gesetze greifen, gäbe es wichtige Informationsquellen wie das Onlinelexikon bald nicht mehr.

Und was geht uns das an?

Zwar hat die USA gegenüber der Europäischen Union an Stärke verloren, doch immer noch gilt vieles aus Übersee auch für Europa als maßgebend. Werden dort Zensurgesetze durchgesetzt, wird so etwas auch in Europa wahrscheinlicher. Doch selbst wenn es in Deutschland nicht so weit käme, wären die Auswirkungen von PIPA und SOPA auch bei uns zu spüren: Fällt mit den USA das Haupttätigkeitsfeld für Wikipedia und Co. weg, dann kann man davon ausgehen, dass auch die europäischen Server abgeschaltet werden und das komplette Angebot verschwindet. Das wäre ein erheblicher Rückschritt in der Entwicklung des World Wide Web.


Über den Autor Ela

Ela ist freiberufliche Online-Redakteurin und schreibt seit geraumer Zeit im Webmaster-Glossar mit. Ihre Schwerpunkte liegen dabei vor allem auf Bereichen der Selbständigkeit, dem Umgang mit CMS Systemen und Suchmaschinenoptimierung.

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